
„Sie wollen Wirtschaftsethik studieren? Dann entscheiden Sie sich für das eine oder das andere.“ (Karl Kraus, österr. Schriftsteller und Gesellschaftskritiker)
Mit Blick auf diese Problemstellung und der damit verbundenen Frage, ob sich Wirtschaft und Ethik im Sinne moralisch verantwortungsvollen Wirtschaftens wirklich ausschlössen, fuhr die Jahrgangsstufe 12 des Wirtschaftsgymnasiums (WG 24) für zwei Tage ins Arbeitnehmerzentrum nach Königswinter (AZK) und bearbeitete dort verschiedene wirtschaftsethische Fragestellungen. Dieses erfolgreiche Seminar findet zum dritten Mal in Folge statt. an.
In den Fächern BWL, VWL, Biologie und Religionslehre bereiteten die Fachlehrkräfte ein abwechslungsreiches Programm vor und beachteten dabei vor allem Probleme, die die jetzige und zukünftige Lebenswelt der jungen Erwachsenen berücksichtigen – und das aus den verschiedenen Disziplinen der oben genannten Fächer. Vor allem wurden die Schülerinnen und Schüler mit Fragen konfrontiert zu werden, auf die sie später im Berufsleben Einfluss nehmen könnten: Was sind Ethik und Moral und was bedeuten das für mich? Sollten Alter, Geschlecht, Familienstand usw. eine Rolle bei Einstellungen spielen? Welche innovativen Möglichkeiten gibt es gegen die Plastikflut? Sind Kartelle in wirtschaftlich schlechten Zeiten in Ordnung? Wie sieht ein gerechtes Einkommen aus?
Diese und viele weitere Fragen wurden nicht nur theoretisch erarbeitet, sondern vielmehr in Methoden wie Planspiele zu Kartellen, Elevator Pitch oder Design-Thinking erfahren. So waren die Lernenden im Bereich der Verhaltensökonomie aktive Akteure und analysierten und reflektierten dabei Marktverhalten, soziale und ökologische Verhaltensweisen, um künftigen Herausforderungen verantwortungsbewusst zu begegnen und eine nachhaltigere und gerechtere Zukunft zu gestalten.
Am zweiten Tag besuchte der Landtagsabgeordnete Jonathan Grunwald die Gruppe und stand den interessierten Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort. Diese Begegnung war für viele so inspirierend, dass sie mit Herrn Grunwald auch nach dem offiziellen Teil noch diskutierten. Sein Appell: Egal, mit welcher demokratischen Partei ihr sympathisiert: Engagiert euch politisch und lebt Demokratie!
Neben dem Bildungsauftrag, die Lernenden auf die steigende Komplexität wirtschaftlich-globaler Zusammenhänge vorzubereiten und damit den studien- und berufsvorbereitenden Aspekt zu intensivieren, standen auch der Spaß und Teamwork-Gedanke im Mittelpunkt sowie eben jene oben benannte Themen, die mit Blick auf die Abiturvorbereitung im Jahr 2027 sehr sinnvoll und intensivierend waren. Der Teamwork- und Spaß-Gedanke wurde immer wieder deutlich, u.a. als sich abends eine Gruppe aufmachte und für fast zwei Stunden in einer nahegelegenen Soccerhalle Fußball spielen war.
Insgesamt waren sich in der Abschlussreflexion alle einig, dass die Kompakttagung ein voller Erfolg war. Mitgenommen haben alle: Wirtschaft und Ethik schließen sich nicht aus, aber man muss wachsam sein und für eine Welt, die sowohl Gewinnmaximierung als auch ethische vertretbare Normen und Werte beinhaltet, einzutreten.
